Chiropraktik

Der menschliche Körper

Der menschliche Körper ist ein wahres Wunderwerk der Natur. Aus zwei Zellen entstanden, sind wir heute ein hochspezialisiertes System, in dem stets tausend Billionen Prozesse gleichzeitig ablaufen. Unser Körper steuert und reguliert alle Vorgänge selbstständig. So ist er auch in der Lage, Wunden zu heilen oder uns vor Störungen zu warnen, indem er Symptome anzeigt. In der Chiropraktik nennen wir diese selbstständige Regulationsfähigkeit angeborene Intelligenz. Diese Intelligenz wirkt bis zum letzten Atemzug in jedem von uns. Das ist bei einem Manager aus Deutschland genauso wie bei einem Eingeborenen aus dem Amazonas-Urwald.

Der Körper ist in der Lage, jeden Stoff (z. B. Hormone, Enzyme), den er für seine Homöostase benötigt, selbst zu produzieren, vorausgesetzt der Mensch liefert ihm die notwendigen Grundstoffe aus einer abwechslungsreichen, gesunden Ernährung und Wasser. Auch für die Entsorgung nicht benötigter Zwischenprodukte sorgt der Körper selbst.

Reibungslos funktioniert die angeborene Intelligenz jedoch nur dann, wenn in unserem Körper ein vollkommenes Gleichgewicht herrscht, er frei von Störungen ist und unsere Zellen miteinander kommunizieren können. Ist die Kommunikation zwischen zwei Zellen unterbrochen, kann unsere angeborene Intelligenz unseren Körper nicht mehr mit lebenswichtigen Informationen versorgen bzw. heilen. Die wichtigste Verbindung zwischen allen Zellen ist unser Nervensystem. Hunderte Milliarden von Nervenzellen senden elektrische Impulse von der Körperperipherie zum Gehirn und umgekehrt. Was passiert, wenn dieser Fluss unterbrochen wird? Wenn ein Nerv zum Beispiel durch eine scheinbar harmlose Wirbelverschiebung gestört wird? Die körperliche Funktionalität wird beeinträchtigt und die Leistung unserer Selbstheilungskräfte nimmt deutlich ab. Das Gleichgewicht wird gestört und der Körper verliert seine Fähigkeit zur Regulation. Als Folge können viele verschiedene Symptome und Erkrankungen auftreten.

Doch kein Heilmittel der Welt wird uns zur tatsächlichen Heilung verhelfen, wenn das Nervensystem dauerhaft gestört bleibt. Warum sollen wir Medikamente nehmen oder uns Spritzen geben lassen, wenn wir selbst einen Arzt in uns tragen? Es ist viel effektiver, wenn wir das Gleichgewicht im Körper wiederherstellen bzw. erhalten. Dies gelingt, wenn wir unseren Körper von Nervenstörungen befreien und für optimale Ausgangsbedingungen sorgen: Tägliche Bewegung, gesunde Ernährung und ausreichend Wasser, eine positive Einstellung und gute Schlafqualität.

Chiropraktik sorgt dafür, dass das Nervensystem störungsfrei arbeiten kann.

Was bedeutet Chiropraktik?

Das Wort Chiropraktik setzt sich aus zwei griechischen Wörtern zusammen: cheir = Hand und practos = anwenden, tun → chiropractic = mit der Hand getan. Chiropraktik beinhaltet die Diagnose und Behandlung von Ursachen körperlicher Funktionsstörungen. Im Mittelpunkt stehen dabei das Nervensystem, die Wirbelsäule, das Becken und der Schädel.

Ursprung der Chiropraktik

Die Chiropraktik hat ihren Ursprung in den USA und hat sich weltweit stark verbreitet. Ihr Begründer war Daniel David Palmer (1845–1913), der sein Wissen an seinen Sohn Bartlett Joshua Palmer weitergab. Von diesem wurde die Chiropraktik weiterentwickelt und an der vom Vater gegründeten Palmer School of Chiropractic gelehrt. Später wurde die Schule modernisiert und in Palmer College of Chiropractic umbenannt.

Chiropraktik ist seit 1895 in der Öffentlichkeit bekannt und gilt als sanfte Methode für Menschen jeden Alters: Babys, Kleinkinder, Teenager, Erwachsene und Senioren.

Das menschliche Nervensystem

Ein durch falsche Haltung, Verschleiß, Unfälle, Stress oder bei der Geburt verschobener Wirbel, der auf natürlichem Weg nicht mehr in seine ursprüngliche Position zurückgelangt, verursacht Überdehnungen und möglicherweise auch Bedrängungen oder Einklemmungen von Nerven – sogenannte Subluxationen. In diesem Fall können die Nervenbahnen nicht mehr ausreichend Informationen weiterleiten. Als Folge werden die Zielorgane nicht mehr richtig gesteuert und damit schlecht versorgt. Eine ganze Weile kann der Körper diese Störungen kompensieren, allerdings benötigt er hierfür sehr viel mehr Energie. Wenn er nicht mehr kompensieren kann, dann treten Symptome auf.

Die Justierung

Chiropraktik gehört zu den wenigen Gesundheitsprofessionen, die ausschließlich nach den Ursachen suchen und diese mit manuellen Behandlungstechniken oder speziell entwickelten Hilfsmitteln wie den Aktivator oder Drop-Tischen beheben (Justierung). Ein Herumdoktern an Symptomen gibt es hier nicht!

Zunächst spürt der Chiropractor mithilfe verschiedener Diagnoseverfahren die Position der Wirbelverschiebung mit den daraus resultierenden Nervenstörungen auf. Durch eine gezielte Aufwendung von Kraft an der entsprechenden Stelle wird ein sanfter Impuls gesetzt, der die Verschiebung des Wirbels rückgängig macht und diesen in seine natürliche Position zurücklenkt. Infolgedessen wird der Druck auf die Nervenleitbahn reduziert oder vollständig aufgelöst. Durch die Behebung der Nervenstörungen werden die körpereigenen Regulationsfähigkeiten wiederhergestellt und damit die Selbstheilungskräfte aktiviert.

Da jeder Mensch und Körper einzigartig ist und jeder seine ganz eigene Lebensgeschichte mitbringt, verarbeitet auch jeder den Impuls einer Justierung auf seine eigene individuelle Weise und in seinem individuellen Tempo. Manche Menschen spüren eine sofortige positive Wirkung, andere spüren erst mal einige Zeit nichts oder sogar eine Verstärkung der Symptome. All dies ist normal und früher oder später wird jeder davon profitieren, wenn die Balance im Körper wiederhergestellt ist.

Prinzipien der modernen Chiropraktik

Ursachen beheben

In der modernen und professionellen Chiropraktik geht es darum, das Nervensystem von Störungen zu befreien. Hierfür stehen zahlreiche Techniken zur Verfügung, die alle ausschließlich mit sanften Impulsen arbeiten. Es geht darum, die Ursachen zu beheben, die an der Wirbelsäule zu finden sind. Symptome geben zwar Hinweise, sind jedoch bei der eigentlichen chiropraktischen Behandlung zweitrangig. Das Besondere an der Chiropraktik ist die Tatsache, dass Störungen auch dann aufgespürt werden können, wenn noch keine Symptome aufgetreten sind. Sie ist infolgedessen auch als hervorragendes Mittel zur Prävention zu betrachten und sollte bei jedem Menschen und in jedem Alter angewandt werden.

Die Natur hat uns mit einer intelligenten Regulationsfähigkeit ausgestattet, die Selbstheilung ermöglicht. Unser Lebensstil und auch mangelndes Wissen um die Kostbarkeit, die wir selbst darstellen, lässt diese Fähigkeit jedoch bei manchem verkümmern. Chiropraktik betrachtet es als ihre Aufgabe, dem entgegenzuwirken und Gesundheit, Wohlbefinden sowie Vitalität wieder unter die Menschen zu bringen!

Erst untersuchen, dann behandeln

Vor der ersten chiropraktischen Behandlung steht immer eine umfassende Ursachenforschung. Hierfür stehen mittlerweile modernste Techniken zur Verfügung, die mit altbewährten, manuellen Untersuchungsmethoden und einer Erfassung der Anamnese kombiniert werden. Das Resultat aus diesen Voruntersuchungen bildet die Grundlage für eine auf den Patienten abgestimmte Behandlung.

Ergeben sich aus der Untersuchung unklare Befunde, kann es sein, dass eine tiefer gehende Diagnostik wie Blutuntersuchung oder weitere bildgebende Verfahren notwendig ist, bevor ein chiropraktischer Betreuungsplan erstellt werden kann.

Neue Technologien

Dreidimensionale Wirbelsäulen- und Haltungsanalyse

Als strahlungsfreie Alternative zum Röntgen wurde ein Gerät entwickelt, das, um ein präzises Bild des Rückens im dreidimensionalen Raum zu erhalten, modernste Videotechnik in 3D und 4D sowie digitale Datenverarbeitung miteinander kombiniert.

Eine Messvorrichtung zur Erfassung der Oberflächenbeschaffenheit ist die Basis für die Untersuchung des Rückens. Die Datenverarbeitungseinheit des Gerätes wertet anschließend die gemessenen Daten aus und ermittelt die Form des gesamten Rückens und der Wirbelsäule sowie die Stellung des Beckens und der Schulterebene.

Die Analyse des Ergebnisses ermöglicht genaue Diagnosen bezüglich der Wirbelsäulenstellung und Körperhaltung und dient als Grundlage für die chiropraktische Behandlung.

Diagnostik:
  • Skoliose
  • Skoliotische Fehlhaltungen
  • Beckenfehlstellung
  • Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
  • Kyphosen/Lordosen
  • Beinlängendifferenzen
  • Fuß-Fehlstellungen
Vorteile:
  • Strahlenfreie Methode
  • Sofortiges Messergebnis
  • Beliebig oft wiederholbar (Verlaufskontrolle)
  • Unmittelbarer Vorschlag für Therapiemöglichkeiten

Fußdruck- und Ganganalyseverfahren

Die hierbei eingesetzte, moderne Sensortechnologie ermöglicht durch eine hohe Abtastfrequenz die Erfassung geringster Druckkräfte am Fuß. Die anschließende Vektoranalyse ist die entscheidende Grundlage für die Darstellung der Druckverhältnisse des individuellen Fußes, und zwar sowohl im Stand als auch in der Bewegung. Aus Belastungsverteilung, Druckspitzen, Bewegungsasymmetrien und Abrollverhalten lassen sich Rückschlüsse auf die Fußstellung, Gangart und damit indirekt auf die gesamte Körperhaltung ziehen.

Möglichkeiten:
  • Statische Fußdruckmessung zur Erfassung der Druckverhältnisse im Stehen
  • Gleichgewichts- und Koordinationsprüfung
  • Dynamische Messung zur Erfassung der Druckverteilung beim Gehen
  • Erfassung der Kraftvektoren für Geschwindigkeit und Beschleunigung
Diagnostik:
  • Fußfehlstellungen
  • Dysbalancen im Gangbild
  • Haltungsanalysen

Isometrisches Muskelkraft-Messverfahren

Zur Erfassung der isometrischen Kräfteverhältnisse von Rumpf-, Bein- und Arm-Schulter-Muskulatur wurde ein solides und zuverlässiges System entwickelt, das bis zu 28 Messrichtungen erfasst und ggf. auch für den Einsatz bei der Biofeedback-Therapie ausgerüstet ist. Die Erfassung der haltungsrelevanten Muskelparameter lässt Rückschlüsse auf muskuläre Dysbalancen zu.

Möglichkeiten:
  • Erfassung der isometrischen Maximalkräfte
  • Diagnostik muskulärer Dysbalancen
  • Verlaufskontrollen
  • Nutzung der Ergebnisse für Therapien
Vorteile:
  • Sofortige Darstellung der Messergebnisse
  • Alle Messungen in einem System möglich
  • Schnelle Durchführung

Wirbelsäulendiagnostik mit Insight-Millennium®

Als weitere strahlungs- und schmerzfreie Alternative zum Röntgen wurde ein Gerät entwickelt, das eine Analyse des autonomen Nervensystems ermöglicht. Hierbei wird die Hauttemperatur über den Wirbelkörpern mithilfe von Infrarotsensoren gemessen (Thermo-Scan) und von der zugehörigen Software erfasst und dargestellt.

Temperaturdifferenzen geben Hinweise auf Nervenirritationen im jeweils gemessenen Bereich und lassen Rückschlüsse auf die Lage von Subluxationen und die Funktionalität der entsprechenden Drüsen, Organe und Gefäße zu.

Chiropraktische Techniken

SOT – Sakro-Occipital-Technik

Diese sanfte Technik wurde von einem Pionier der Osteopathie und Chiropraktik – Dr. Major Bertrand DeJarnette – entwickelt. Seine Technik wurde in mehr als einem halben Jahrhundert ausgefeilt und vervollständigt und hat sich im Rahmen zahlreicher Untersuchungen, Studien und klinischen Anwendungen bewährt.

Im Fokus der Behandlung stehen die Wiederherstellung der Nervenfunktion und ein gesunder Kreislauf des Liquors (Hirn-Rückenmarks-Flüssigkeit). Hierfür werden die freie Beweglichkeit des Kreuzbeins und der Schädelknochen sowie die Hirnhäute und die Atmung kontrolliert.

Fehlspannungen an den Hirn- und Rückenmarkshäuten sowie ein behinderter oder veränderter Fluss des Liquors können die Funktion des Nervensystems herabsetzen. Infolgedessen kommt es zu verschiedensten Krankheitssymptomen.

Dr. DeJarnettes jahrelange Erforschung der menschlichen Strukturen und deren Störungen führte zu einer Einteilung der Symptombilder in drei verschiedene Kategorien, die verschiedenen Stadien des Gesundheitsverlustes entsprechen.

Nach der Einteilung in die entsprechende Kategorie erfolgt eine jeweils eigenständige und spezifische Behandlung nach dem SOT-System, das verschiedene Lagerungsarten des Körpers vorsieht.

Die Lagerung erfolgt durch speziell angeordnete, keilförmige Blöcke im Bereich des Beckens, wodurch ein sanfter und gezielter Druck entsteht. Schwerkraft und Atmung unterstützen die nun erfolgende, langsame Bewegung in die korrekte Haltung. Der gesamte Körper wird dadurch ganzheitlich justiert. Heilungsprozesse werden in Gang gesetzt und vorhandene Schmerzen verschwinden häufig innerhalb von Sekunden.

Zusammen mit der Manuellen Organtherapie (MOT) und der Craniopathie vereinigt sich die SOT zur umfassendsten chiropraktischen Disziplin.

Manuelle Organtherapie (MOT)

Bei der MOT, ein wichtiger Baustein der SOT, nimmt der Chiropractor über die manuelle Stimulation von Reflexpunkten, die mit unseren Organen zusammenhängen, auf den Informationsaustausch zwischen Organen und Gehirn Einfluss. Das heißt, dass nicht nur Funktionsstörungen der Nervenleitbahnen, sondern auch das Organ, das durch die entsprechenden Nerven gesteuert wird, behandelt wird. Dies kann den Effekt der Justierung nachhaltig unterstützen. Reflexe sind Reaktionen des Organismus auf einen das Nervensystem treffenden Reiz von außen – zum Beispiel Speichelfluss bei einem bestimmten Essensgeruch, Auslösen von Emotionen durch Musik, Anspannung oder Entspannung der Muskeln bei entsprechender Stimulation oder Druck auf bestimmte Punkte. Das Wissen um die Beeinflussbarkeit von außen machte Neurowissenschaftler und Behandelnde neugierig und mittlerweile sind zahlreiche Körperpunkte bekannt, die in direkter Verbindung mit einem Organ stehen. Ist dieses aufgrund einer Subluxation beeinträchtigt, äußert sich dies in einer Veränderung der Gewebestruktur an der Körperoberfläche und ist somit für den Chiropractor tast- und beeinflussbar. Diese Punkte werden auch neurolymphatische Reflexpunkte genannt.

Craniopathie

Die Craniopathie, als wichtiger Baustein der SOT, ist eine besondere Methode der Chiropraktik, bei der die Aufmerksamkeit auf den Kieferbereich und den Schädel mit seinen einzelnen Knochenplatten und die feinen Mikrobewegungen an den Nahtstellen der Knochenplatten gelenkt wirkt. Schon geringfügige Verschiebungen dieser sogenannten Schädelnähte haben einen Einfluss auf die Verteilung und Beweglichkeit der Gehirnflüssigkeit und infolgedessen auf die Hirn- und Rückenmarkshäute (Dura Mater). Durch diesen Einfluss entstehen Spannungszustände, die sich in der kompletten Wirbelsäule fortsetzen und infolgedessen negativ auf das zentrale Nervensystem einwirken und Probleme bis zum unteren Ende der Wirbelsäule bereiten können. Umgekehrt kann eine Subluxation im Beckenbereich außer der direkten, lokalen Nervenstörung mitsamt Kompensationsvorgängen im umliegenden Bereich auch zu einer Beeinflussung der Rückenmarkshaut führen, die dann wiederum Probleme bis in den oberen Wirbelsäulenabschnitt hinein machen kann. Diese Tatsache zeigt aufs Neue, wie wichtig die genaue Lokalisierung einer Subluxation ist und dass die Störung meistens nicht dort zu finden ist, wo Symptome auftreten.

Bei der Craniopathie können durch besonders zarte manuelle Berührungen die einzelnen Kiefergelenke und Knochenplatten des Schädels justiert und die Spannungszustände gelöst werden.

Bandscheibentechnik nach Cox

Diese Dekompressions-Justierung wurde von Dr. James Cox entwickelt. Zentrales Hilfsmittel ist hierbei ein Instrumententisch, der Flexion und Distraktion ermöglicht und so bei verschiedensten Wirbelsäulenerkrankungen erfolgreich zum Einsatz kommt – auch bei akuten und schmerzhaften Bandscheibenvorfällen.

Der Instrumententisch ermöglicht sanfte und rhythmische Zug- und Druckbewegungen, die einen Pumpeffekt auf den Zwischenwirbelraum und die Bandscheibe haben. Es kommt zur Entlastung bedrängter Nerven, wodurch Schmerz nachlässt und die Muskeln entspannen. Bei wiederholter Anwendung können Bandscheibe und Wirbelgelenke in ihre ursprüngliche Position zurückfinden und etwa durch Druck entstandene entzündliche und schmerzhafte Prozesse gestoppt werden. Die wiedererlangte natürliche Beweglichkeit führt zu einer Ausheilung der Störung.

Bei dieser Methode ist es besonders wichtig, die genaue Lage der betroffenen Wirbelsäulensegmente mittels Röntgenbilder oder MRT-Aufnahmen zu analysieren.

Thompson-Terminal-Point-Technik

Bei der von J. Clay Thompson entwickelten Thompson-Terminal-Point-Technik (kurz Thompson-Technik oder TTPT) wird der Fokus vor allem auf die Beinlänge ausgerichtet: Diese kann zum Beispiel einen Hinweis auf eine Subluxation in der HWS-Region geben oder auch als Erfolgskontrolle nach erfolgter Justierung dienen. Bei Vorliegen einer Subluxation können Muskeln einen ungleichen Tonus entwickeln, was sich in unterschiedlichen Beinlängen zeigt. Wenn der Patient in Bauchlage den Kopf nach links und rechts dreht, kann der Chiropractor anhand der Veränderung in den Beinlängen herausfinden, in welcher Richtung sich ein oder mehrere Halswirbel verschoben haben. Weitere Analyseverfahren ermöglichen dem Chiropractor zudem, auch Subluxationen an der restlichen Wirbelsäule sowie im Bereich von Rippen, Kreuzbein oder Iliosakralgelenk zu identifizieren. Die Möglichkeit der Justierung mittels der Thompson-Technik wurde von J. Clay Thompson durch einen Zufall entdeckt: Bei der Behandlung fiel ihm ein kaputtes Tischsegment plötzlich herunter und er konnte dabei feststellen, dass die währenddessen durchgeführte Justierung nicht nur schneller, sondern auch besser wirkte. Er schloss daraus, dass der positive Effekt durch das Freiwerden kinetischer Energie, die durch den chiropraktischen Impuls ausgelöst und verstärkt wurde, entstand und entwickelte daraufhin einen Behandlungstisch, der die Ausnutzung dieses Newtonschen Gesetzes ermöglichte. Die Ausführung der Technik erfolgt also auf speziellen Tischen, die einzelne Segmente besitzen, welche angehoben werden können und auf einen Impuls hin nach unten fallen. Der durch manuellen Druck ausgelöste Impuls am Patienten wird dabei abgemildert und gleichzeitig wird die Befreiung von der Subluxation gezielt unterstützt. Der Chiropractor selbst muss dabei weitaus weniger Kraft ausüben – ein weiterer, nicht zu verachtender Vorteil der Thompson-Technik.

Gonstead-Technik

Die von Dr. Clarence S. Gonstead entwickelte Technik gilt als eine der sichersten Methoden der Chiropraktik, denn die Behebung einer Subluxation erfolgt ausschließlich manuell durch Ausübung eines gezielten Druckes auf den betroffenen Wirbel – ohne Rotationsbewegungen! Der Justierung geht – wie bei allen Techniken – eine genaue Untersuchung der Wirbelsäule voraus, um Subluxationen gezielt zu justieren. Gonstead war es besonders wichtig, den genauen Ursprungsort von Störungen aufzufinden und nicht etwa alle fixierten oder hypermobilen Wirbel – Folgen von Ausgleichsbewegungen als Reaktion auf eine Subluxation an anderer Stelle (Kompensation) – zu justieren. Zwar lässt sich bei der Justierung solcher Kompensationen häufig ein „Knacken“ erzeugen, was kurzfristige Erleichterung verschafft, doch vorrangiges Ziel der Chiropraktik ist und bleibt die Behebung der Ursache. Wird die ursprüngliche und auslösende Subluxation justiert, lösen sich auch die in einer Kettenreaktion entstandenen Kompensationen auf. Zur genauen Lokalisierung der Subluxation kamen bei der Gonstead-Technik ursprünglich vor allem die Röntgenbildanalyse und das Nervo-Scope® zum Einsatz. Die modernen Geräte und Techniken wie etwa das Insight Millennium® ergänzen die vorausgehende Untersuchung jedoch optimal.

Justierung der Halswirbelsäule

Da die Halswirbelsäule der beweglichste, aber gleichzeitig auch filigranste Abschnitt unserer Wirbelsäule ist, deren an ihr austretenden Nervenstränge zentrale Funktionen wie die Atmung kontrollieren und steuern, kommt ihr in der Chiropraktik eine besondere Bedeutung zu. Gerade wegen ihrer filigranen und beweglichen Beschaffenheit reagiert sie bereits auf minimalste Reize und ist daher sehr erfolgreich zu justieren. Die Chiropraktik nutzt verschiedenste Techniken, um Subluxationen im HWS-Bereich zu justieren.

Non-Force-Technik

Sanfter Zug oder Druck in Kombination mit Bewegung und Atmung. Diese sogenannten Non-Force-Techniken sind eine sehr subtile Behandlungsform, die Subluxationen nichtsdestoweniger mit Erfolg beheben kann.

Low-Force-Technik

Mithilfe von Behandlungsinstrumenten können bei der Justierung sehr gezielte Impulse gegeben werden. Die bekanntesten sind der mechanisch zu bedienende Aktivator mit einstellbarer Impulsstärke und der ArthroStim, ein elektrisch betriebener Impulsgeber, der auf die eingesetzte Kraft des Behandlers reagiert oder eine Impulsfrequenz von 12 Stößen/Sekunde abgibt, um eine noch effektivere Erregung der Mechanorezeptoren zu erreichen.

Force-Technik

Auch wenn zu den Force-Techniken solche gehören, bei der mehr Kraft ausgeübt wird, um eine Justierung durchzuführen, sind es dennoch sanfte Methoden, wie zum Beispiel Gonstead, die hierbei an der Halswirbelsäule zum Einsatz kommen. Die Force-Techniken gehören zu den am meisten angewandten Techniken und können oft innerhalb von Sekunden zum Verschwinden von Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen führen und damit den Selbstheilungsprozess in Gang setzen.

Atlasjustierung

In den 30er-Jahren entwickelte B. J. Palmer eine neue Theorie, die die Chiropraktik von allen anderen Behandlungsmethoden abgrenzte – das sogenannte Hole/Whole-In-One-Prinzip (HIO-Prinzip): Er war der Meinung, dass sich nur die beiden ersten Halswirbel – Atlas und Axis – aufgrund ihrer anatomischen Besonderheiten in allen drei Dimensionen verschieben lassen und infolgedessen blockieren können. Den Bereich der beiden Halswirbel C1 und C2 nannte er Specific Upper Cervical. Würde man ausschließlich diesen Bereich justieren, so käme es zu einer automatischen Selbst-korrektur aller darunter liegenden Wirbel. Seine Theorie löste heftige Kontroversen aus, die bis in die Gegenwart hineinreichen. Tatsächlich ist die Halswirbelsäule in ihrem oberen Abschnitt bereits bei der Geburt mitunter heftigsten Einflüssen ausgesetzt, und bereits zu diesem Zeitpunkt können Subluxationen entstehen. Diese mögen zunächst unbemerkt bleiben, können später jedoch infolge einer Reihe von Kompensationen und eventuell weiteren Subluxationen zu massiven gesundheitlichen Problemen führen. Forschungsreihen haben gezeigt, dass schon die alleinige Korrektur des Upper Cervical nachhaltige Heilungsprozesse in Gang setzt!

Nicht auszuschließen ist jedoch, dass die ursprüngliche Subluxation in einem anderen Bereich entstanden ist und die diagnostizierte Subluxation im Upper Cervical lediglich eine Folge davon ist. Vor der Behandlung gilt es also – das ist die grundlegende Vorgehensweise bei allen chiropraktischen Techniken –, durch Aufnahme der Anamnese und eine genaue Voruntersuchung des Patienten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, herauszufinden, wann und wie die erste Subluxation entstanden ist.

Erst dann sollte eine Entscheidung gefällt werden, ob eine Atlasjustierung in Frage kommt.

KST (Koren Specific Technique)

Der Amerikaner Tedd Koren entwickelte aus bestehenden chiropraktischen, neuro-emotionalen, craniosacralen und viszeralen osteopathischen Techniken eine Untersuchungs- und Justierungsmethode, die die Hinterkopfregion im Fokus hat und den Biofeedback-Mechanismus einbindet. Eine Störung innerhalb des Muskelsystems, welches die Wirbelsäule aufrichtet – ausgelöst durch physische und psychische Traumata, die den Körper noch belasten und zudem zu Subluxationen führen können –, äußert sich in minimal tastbaren Bewegungen der Muskulatur am Hinterkopf zu einer Seite hin. Der Körper gibt also ein Signal und damit einen Hinweis auf die Störung. Solche bewusst nicht wahrnehmbaren Körpersignale können durch den Behandler ertastet werden und ihm zeigen, wo eine Justierung notwendig ist. Die anschließende Justierung kann überall am Körper und in jeder Körperhaltung stattfinden und wird mit Low-Force-Techniken durchgeführt. Das Besondere an dieser Technik ist, dass sich die auslösenden Traumata, die sich im Körpergewebe manifestiert haben, am besten in genau der Position auflösen lassen, in der sie entstanden sind. Der Körper erinnert sich also zunächst an die traumatische Situation und lernt dann aber, dass zum Beispiel eine Daueranspannung nicht mehr notwendig ist, indem er dem störungsauflösenden Impuls folgt.

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